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Waffenplatz

Dank der Umleitung der Kander in den Thunersee wurde ein grosses Gebiet nutzbar, das vorher wegen der häufigen Überschwemmungen mit Ablagerungen von Kies und Sand  landwirtschaftlich nur extensiv genutzt wurde. Da der Boden hart, aber wasserdurchlässig war, eignete er sich gut für die militärische Ausbildung. Am 1. August 1819 wurde in Thun die Eidgenössische Zentral-Militärschule eröffnet. Die ersten Hauptinstruktoren waren Die Artillerie-Hauptleute Salomon Hirzel aus Zürich und Henri Dufour aus Genf. Unter dem späteren General Dufour diente auch Prince Louis Napoléon – der spätere Kaiser Napoléon III. -, der damals bei seiner Mutter Hortense auf Schloss Arenenberg im Thurgau wohnte und dort eingebürgert wurde*. Der Unterrricht in der Artillerie-Schule erfolgte auf französisch.. Als Übungsgelände dienten die Allmenden (Thuner Allmend, Allmendinger Allmend Schoren-Allmend).

Übersichtskarte der Manöver (Burgerarchiv Thun)

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* Brigadier Herbert Wanner schrieb darüber 1988 (Quelle: internet sieber-frauenfeld.ch) u. a. : „Am 7. Juli 1834 wurde Napoléon zum bernischen Artillerie-Hauptmann ernannt. Seine Verbundenheit mit unserem Lande und mit dem späteren General Dufour wirkten sich auch politisch aus. So weigerte sich die Eigenossenschaft im sogenannten Prinzenhandel von 1836 – 28, trotz Kriegsdrohung Frankreichs, den Thurgauer Bürger Napoleon auszuliefern. Andererseits vermittelte Kaiser Napoléon III im Neuenburger Handel 1856/57 zwischen der Eidgenossenschaft und Preussen. 1865 stattete er nochmals dem Städtchen Thun einen Besuch ab und besichtigte vor allem auch die neu erstellte Kaserne.“

 

1841 kaufte die Eigenossenschaft die Thuner Allmend. Die Allmendingen-Allmend wurde weitgehend überbaut (heutiges Quartier Allmendingen), die Schoren-Allmend ist heute zu einem grossen Teil überbaut und bildet das Zentrum des Quartiers Dürrenast.

Als Folge der Artillerie-Ausbildung entstanden 1861 das Feuerwerkslaboratorium mit der Munitionskontrolle (ab 1874 Munitionsfabrik M+F, heute RUAG) und die Mechanische Werkstätte (ab 1874  Konstsruktionswerkstätte K+ W , heute RUAG).
Auf dem Höhepunkt der Produkiton beschäftigten die M+F 1000 Personen, die K+W 1600 Personen.
Innerhalb der K+ W wurden zwischen 1915 und 1955 auch Flugzeuge entwickelt

und erprobt. Seit 1955 wurden Panzer gebaut und der Waffenplatz zu einem Zentrum der Panzerausbildung. Thun ist heute der grösste und modernste Waffenplatz der Schweiz. Ausserhalb der Ausbildungszeiten stehen grosse Teile des Waffenplatzes der Bevölkerung zur Verfügung.

 

 

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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