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Schwellenpflicht

Die Bändigung des „Landschrecks“, wie die Kander im Volksmund hiess, war sehr aufwändig. Da die Wassermassen wegen des geringen Gefälles zu wenig Kraft entwickelten, blieb Geschiebe liegen. Das Flussbett erhöhte sich, bis es zum Teil höher lag als das umliegende Land. Grosse Landflächen waren von ständiger Überschwemmung und Ablagerung von Steinen, Sand und Schlamm bedroht. Um die Kander vom Ausbrechen aus ihrem Bett abzuhalten, waren Verbauungen (Wuhren) nötig). Die Wuhren entlang der Kander waren 17 km lang, stellenweise über 3 m hoch. Bau und Unterhalt waren arbeitsintensiv. Bis zu 85 Tage pro Jahr waren die eingeteilten Tauner für das „Gemeinwerk“ tätig. Die Tauner besassen nur wenig Land, ein kleines Haus, ein oder zwei Ziegen, die sie auf die Allmend trieben, an der sie als Burger ebenfalls Anrecht hatten. Sie mussten sich als Taglöhner verdingen, um überleben zu können.

QUELLE

LOUIS HÄNNI. Strättligen. Schaerverlag Thun, 2. Auflage, 1997

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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