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Kanderschlucht

Bei den Ablagerungen etwas oberhalb des Niveaus der Fussgängerbrücke handelt es sich um Moränenmaterial. In diesem wenig verfestigten Magerial wurde der Aushub für die Kanderableitung vorgenommen. Die Ablagerungen unter dem Moränenmaterial in der Kanderschlucht beweisen, dass die alten Karten, die zeigten, dass die Kander einst in den Thunersee mündete, nicht ganz falsch waren. Beim genaueren Betrachten der Wände der Schlucht fallen nämlich schräg zum Thunersee hin abfallende Schichten von gerundetem Kies auf. Diese wechseln sich mit Schichten feinkörnigen Sandes ab. Es handelt sich um sogenannte Deltaschotter, also Ablagerungen, die ein Fluss bei seiner Einmündung in einen See als Delta aufschüttet (siehe Kanderdelta).

Das Vorhandensein dieser Deltaschotter beweist, dass der Seespiegel des Thunersees zur Zeit der Ablagerung rund 40 m höher lag als heute und dass die Kander tatsächlich schon früher einmal in den Thunersee mündete. Dies geschah jedoch zwischen der letzten und vorletzten Eiszeit, also lange bevor Menschen die ersten Karten zeichneten. Die Moräne von Srättligen versperrte der Kander dann den Weg in den Thunersee und lenkte sie nach Nordwesten ab.

QUELLE

STEFAN SCHNEEBERGER: Kanderdurchstich – ein wasserbauliches Experiment Reutigen – Thun,
Führer 6.3 in der Reihe Wege durch die Wasserwelt, Hydrologische Exkursionen in der Schweiz, Hydrologischer Atlas der Schweiz, Bern 2013

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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