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Kanderdelta

Im Kanderdelta finden wir Material aus dem gesamten Einzugsgebiet. Die Kander transportiert bei normaler Wasserführung laufend Schweb- und Schwimmstoffe, Sand und feinen Kies, bei Hochwasser stossweise groben Kies und Felsbrocken heran. Ohne die Kiesentnahmen würde sich das Kanderdelta noch weiter in den Thunersee hinaus erstrecken. Im Vergleich zur Situation vor 100 Jahren nimmt die Oberfläche u.a. auch wegen Geschieberückhaltemassnahmen in den Seitenbächen nicht mehr zu.

Die periodischen Überflutungen prägen den Lebensraum „Kanderdelta“. Der obere Abschnitt ist bereit so hoch aufgeschüttet, dass die Wurzeln der Kräuter und Gräser nicht mehr mit dem Grundwasser in Verbindung stehen, womit der Auenwald in einen Buchenwald übergeht. Weiter unten stehen auf dem Damm des Baggersees Föhren die sehr anspruchslos sind und auf sandigen und nährstoffarmen Böden wachsen. Im Kiesbett am Wasser gehen die Kräuter und Gräser in Flussröhricht und eine Weichholzaue über, die periodischen wie auch länger anhaltenden Überflutungen stand hält. Die anschliessende Hartholzaue verträgt keine längeren Überflutungen. Hier gedeihen neben der Esche auch Ahorn und Eiche.
 

Quelle:
Kanderdurchstich – ein wasserbauliches Experiment Reutigen – Thun,
Führer 6.3 in der Reihe Wege durch die Wasserwelt, Hydrologische Exkursionen in der Schweiz, Hydrologischer Atlas der Schweiz, Bern 2013

1716

222 800 m2

1740

478 700 m2

1777

619 200 m2

1857

648 800 m2

1879

762 600 m2

1909

850 000 m2

An der Spitze des Kanderdeltas, dort, wo sich das trübe Wasser der Kander mit dem Thunersee mischt, finden sich ausgedehnte Kiesbänke, die mit feinen Sand- und Tonablagerungen überzogen sind. Vielerorts liegt Schwemmholz. Das Kanderdelta hat heute eine Oberfläche von rund 850 000 m2 und wurde innerhalb von nur 200 Jahren seit der Einleitung der Kander aufgeschüttet.

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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