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Kander

Der Name Kander leitet sich von keltisch „candara“ = die Weisse ab. Seit der letzten Eiszeit floss die Kander nach dem Zusammenfluss mit der Simme durch das heutige Glütschbachtälchen, durchquerte die Thunerallmend und mündete schliesslich bei Uetendorf gegenüber der Zulg in die Aare.
Die Kander ist ein alpiner Fluss, der entscheidend durch das Schnee- und Gletscherschmelzwasser im Sommer beeinflussst wird. Im Jahresdurchschnitt fliessen 21 m3 ab. Am 22. August 2005 wurde bei der Messstation Hondrich ein Spitzenabfluss von rund 270 m3 erreicht. Die Fläche des Einzugsgebietes beträgt 520 m2, die Vergletscherung 7,9 %.

Der Verkehrsweg zwischen Thun und dem Westamt musste seit jeher die Kander queren. Bereits zur Römerzeit ist der Kander mit Respekt begegnet worden.

 

 

 

Im römischen Heiligtum von Thun-Allmendingen sind Votivbeilchen zu Ehren des Wassergotts Neptun gefunden worden. Nach Urkunden muss schon im 14. Jh. ein Kanderübergang beim heutigen Zollhaus bestanden haben, wird doch 1382 die Brüggmatte in Uetendorf erwähnt.  

Die Kander bildete die Grenze zu Thun. Wenn Thun seine Wuhren (Dämme, vorwiegend aus geschichteten Baumstämmen) einseitig erhöhte, überflutete die Hochwasser führende Kander das ebene Land zwischen der Egg und dem Rebberg. Wenn Thierachern mehr Baumstämme übereinander schichtete, brach die Kander auf die Thuner Seite aus. Der Wuhrenbau führte immer wieder zu Streitigkeiten. In Schiedsprüchen wurden jeweils beide Seiten zur Zusammenarbeit aufgefordert.

QUELLE:

TIEFBAUAMT des Kantons Bern, Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern Kander.2050, aktualisierte Neuauflage 2007, www.kanderwasser.ch

BILDER: UTB

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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