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Emanuel Gross (1681 - 1742)

Emanuel Gross hatte in Italien Mathematik und Ingenieurkunst studiert und war Genie-Hauptmann. Er amtete mehrmals  als Landvogt im Tessin. Bereits im Mai 1714 hatte im Grossen Rat vor den Folgen der Ableitung gewarnt:
ZITAT: „Es wird sich bald erweisen, dass sich die ewigen Naturgesetze durch Beschlüsse der gnädigen Herren und Oberen von Bern nicht beeindrucken lassen und eine Katstrophe kann nicht ausbleiben. Vor allem hätte man dem Thunersee nicht die gewaltige Wassermasse wilder und ungezähmter Bergströme zuführen sollen, ohne vorher für den gehörigen Abfluss zu sorgen!“
1714, 1715, 1718, 1720 und 1721 stand Thun tagelang unter Wasser, weil keine flankierenden Massnahmen zur Verbesserung des Abflusses ausgeführt worden waren.

Am 16. Juli führte der Thuner Schultheiss von Werdt einen Augenschein durch. An diesem sanken Junker Albrecht von Wattenwyl und dessen Neffe, Junker von Wattenwyl von Trevelin, mit den Schuttmassen ab und konnten erste eineige Tage später geborgen werden.
Die bernische Obrigkeit liess die dazu gehörenden Schwellen in der Aare entfernen. Damit verwandelte sich die Aare, früher meist ein ruhiger Fluss, zu einem reissenden Strom, der die Ufer unterspülte und die Radwerke ruinierte.  Der Staat kaufte die Thuner Mühlen, um sie zu sanieren und den neuen Verhältnissen anzupassen.

Im Juli 1718 geriet ein Schiff, das eine Gruppe junger Leute transportierte, im Aarebecken in eine starke Strömung. Diese drückte es gegen einen Pfeiler der Gedeckten Brücke, die damals vom Freienhof auf die andere Fluss-Seite führte. Das Schiff kenterte, 10 der 13 jungen Leute ertranken vor den Augen der Angehörigen, die sie auf der Sinnebrücke erwarteten.
1721 stürzten die Sinnebrücke und ein Teil des Oberherrenhauses ein.
Schliesslich beauftragte die bernische Regierung Emanuel Gross 1720 mit den dringend nötigen Sanierungsarbeiten. Dieser stützte sich u. a. auf ein Gutachten des bekannten venezianischen Spezialisten für Wasserbau, Pater Vincenzo Coronelli. Gross liess an verschiedenen Stellen im Aarebecken Landvorsprünge abtragen, er liess den Stadtgraben vertiefen und auf das Doppelte verbreitern. Die Scherzlig- und Allendbrücke mussten verlängert und umgebaut werden, damit das Wasser unter ihnen durchfliessen konnte.

Die obere oder äussere und die untere oder innere Schleuse wurden errichtet. Sie wurden als erste auf dem Gebiet der heutigen Schweiz mit beweglichen Schützen ausgerüstet, um den Durchfluss regulieren zu können. Vor allem musste aber die Fliessgeschwindigkeit der Aare vermindert werden. Oberhalb des Freienhofs und unterhalb der Sinnebrücke wurden Traversierschwellen eingebaut.

QUELLE

KARL GEISER. Brienzersee und Thunersee, Historisches und Rechtliches über den Abfluss, Rösch und Schatzmann, Bern 1914

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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