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Aaresteg (Kalisteg)

Vor dem Kanderdurchstich mäandrierte hier die Aare in mehreren Flussbetten und überschwemmte und versumpfte das flache Gebiet. Heute fliesst sie durch den Aarekanal. Bei Niedrigwasser sieht man gut die Ufer-Block-Verbauung der Aaredämme.

BILD: Thuner Tagblatt

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Aareweg / Zündkapselfabrik

Blickt man vom Uferweg die Böschung hinauf, fallen einem die zum Teil auskragenden Bauten auf. Sie dienten früher der Herstellung von Munition. Sie waren so konstruiert, dass bei einer Explosion die aareseitigen Wände in die Aare geworfen worden wären. Die Zündkapselfabrik wurde 1917 aus Backstein erbaut, die Belichtung erfolgte durch ein zentrales Oberlichtband. Charakteristisch sind die Fenstergewände aus Zementguss. 2007 wurde das Gebäude nach Plänen von Johannes Saurer umgenutzt und dient heute als Personalrestaurant, das  tagsüber auch als öffentliches Rrestaurant dient.

Alter Pulverturm

Wir stehen am Standort des ehemaligen Pulverturms, der 1894 abgebrochen wurde.
Der Pulverturm ragte in den Aarelauf hinein und war Teil der Stadtbefestigung. Innerhalb der Mauern führte eine Brücke zum Freienhof. In einer ersten Reaktion auf die  in Folge der Ableitung der Kander in den See doppelt so grossen Wassermengen wurden die Schwellen in der Aare beseitigt, womit diese mehr Zug bekam und die Ufermauern unterspülte. Am 12. Juni 1718 fuhr ein Boot mit 13 jungen Patriziern von einem Fest am See nach Thun zurück. Die jungen Leute konnten ihr Boot wegen der starken Strömung nicht mehr richtig Lenken, das Boot zerschellte am Brückenpfeiler neben dem Pulverturm. Zehn junge Menschen ertranken. Eine Inschrift an der Stadtkirche Thun erinnert an das Unglück.

Zur Stadtentwicklung und Stadtbefestigung siehe: www.lohnerpartner.ch/Stadtenwicklungsgeschichten_Maerz2013.pdf

BILD: Markus Krebser 2004

 

 

 

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Äussere Schleuse - Hauptnullpunkt

Die Obere Schleuse (Scherzligschleuse) wurde 1726 an Stelle des Querdammes von 1720 erbaut, 1978 erneuert, dabei blieb nur der Oberbau erhalten.
Auf der Seite des Aarefelds befindet sich, eingelassen an der Ufermauer, ein Stein mit der Inschrift „Houptnullpunkt 1825“ (siehe Bild).

Dieser Thuner Hauptnullpunkt diente als Ausgangspunkt für die Installierung der Pegel und für das Ablesen der Höhe des Aare-Wasserstandes.  Der Stein wurde im Zusammenhang mit der Sanierung des Aarelaufs 1871- 1876 und der Erstellung des Aare-Kanals nach Uttigen gesetzt.   Bei der Regulierung des Wasserstandes gilt: „Der Seespiegel steigt so lange an, bis der Abfluss der Summe der Zuflüsse entspricht“. Diese einfache, aber unausweichliche Gesetzmässigkeit verursachte vor allem seit der Einleitung der Kander in den Thunersee grosses Kopfzerbrechen. Bis zur Inbetriebnahme des Hochwasserentlastungsstollen 2009 liess sich der Abfluss aus dem Thunersee nur bedingt oder unvollständig steuern. Auch bei vollständig geöffneter Mühle- und Scherzligschleuse konnten grössere Abflüsse erst erzielt werden, wenn der Seespiegel bereits angestiegen war. Sobald die Schleusen vollständig geöffnet waren, regulierte sich der Thunersee selber. Der Abfluss konnte nur noch gedrosselt, aber nicht mehr erhöht werden.

JON KELLER. Der Thuner Hauptnullpunkt bei der Oberen Aareschleuse. In Jahrbuch 2013 des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee100, S. 75 f

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Bahnhof Scherzligen

Auf dem Boden des Uferwegs ist der Grundriss des alten Bahnhofs Scherzligen eingezeichnet, der 1861 eröffnet wurde. Von hier aus stiegen die Reisenden in Boote um, oder fuhren im Eisenbahnwagen auf Trajektschiffen bis zur Bödeli-Bahn in Interlaken. Die Schienen und der Verladeort sind 100 Meter wegaufwärts gut erkennbar.
Der Uferweg führt dem Schifffahrtskanal entlang, der zusammen mit dem neuen Hauptbahnhof Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jh. erbaut wurde. Seither fahren die Schiffe bis zum Bahnhof, vorher legten sie am Freienhof an. Der Schifffahrtskanal unterbrach den alten Scherzligweg, der von der Stadt über den Bahnhof Scherzligen zur Scherzligkirche führte. Der durchgehende Uferweg zur romanischen Scherzligkirche (ehemalige Wallfahrtskirche „Notre Dame de Scherzligen) und zur Schadau wurde 2011eröffnet.
Auf der anderen Seite des Kanals ist eine Steininschrift erkennbar, die auf die Aufenthalte des Dichters Heinrich von Kleist in Thun in den Jahren 1802 und 1803 hinweist.

BILD: Stadtarchiv

Siehe dazu:
Scherzliger Verkehrsgeschichten – Zur Eröffnung des Uferwegs vom Bahnhof Thun in die Schadau, als pdf auf www.lohnerpartner.ch

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Bootshaus am Kanal Bonstettengut

An der Mündung des Kanals steht das zum Schlösschen Bellerive gehörende Bootshaus. Der Kanal dient sowohl der Entwässerung als auch der Inszenierung des Ortes. Er entstand kurz nach der Ableitung der Kander in den Thunersee als Teil der Parkanlage der „Campagne“ Bellerive. die in der heutigen Form von Emanuel Friedrich von Fischer erbaut wurde. An der Stelle, wo heute der Uferweg nahe am Bootshaus den Kanal quert, stand ursprünglich eine Bogenbrücke im chinesischen Stil. Der Kanal war ursprünglich von Baumreihen gefasst. Heute säumen die Baumreihen die Wege, die mehrere Meter vom Kanal entfernt in den zwanziger Jahren des 20. Jh. angelegt worden waren. Direkt am See befand sich ein von einer Mauer umgebener baumbestandener Lustgarten, der sich zum heutigen Wäldchen ausgewachsen hat.

BILD: Denkmalpflege

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Brodhüsisteg über die Simme

In den Jahren 2010 bis 2012 wurde die Simme durch den Kanton von hier bis zur Mündung in die Kander renaturiert, um die Sohlenerosion zu stoppen und dem Fluss einen  natürlichen Lauf zu geben. Das 1,6 Kilometer lange renaturierte Simmenbett ist nun mit 50 bis 80 Metern doppelt so breit wie vorher, bremst mit den Sohlenblock-Verbauungen die Fliessgeschwindigkeit und bietet Fischen gute Lebensbedingungen. Mit 2,9 Millionen Franken schuf der Kanton das einzigartige Naturschutzgebiet Augand. Auf der Schautafel nordseitig der gedeckten Brodhüsi-Brücke sind die Renaturierungsarbeiten erklärt (www.kanderwasser.ch)

BILD: Markus Krebser 2004

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Brückenkopf ("Schwere Strasse")

Das Glütschbachtal war vor dem Kanderdurchstich ein breites, kiesiges Flussbett mit der rauschenden Kander darin. Die Strassenverbindung Thun - Simmental führte hier über eine lange gedeckte Holzbrücke, deren südlicher Brückenkopf am Steilhang zum Zwieselberg neben der alten Schlyfi noch zu sehen ist. Er ist etwa viereinhalb Meter hoch und besteht aus grossen, rohen, aufgeschichteten Steinen aus dem Kanderbett. Auf dem Bodmer-Plan erkennt man am nördlichen Ende der Brücke ein Häuschen, wahrscheinlich das Haus für den Brücken-Zöllner.

BILD: Staatsarchiv

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erstes Eidg. Elektrizitätswerk

Das Turbinenhaus  wurde 1885 erbaut und 1904 mit einem Obergeschoss aus Fachwerk aufgestockt. Ursprünglich waren zwei Francis-Turbinen der Firma Rieter, Winterthur, und zwei Gleichstrom-Generatoren der Maschinenfabrik Oerlikon installiert. Daneben steht das nach den Plänen von Arnold Itten, Thun, errichtete neue Turbinenhaus, das 1937 die Energieproduktion mit Drehstrom aufnahm.

Gut 200 Meter aareaufwärts ist das Becken der ehemaligen Militärbadanstalt erkennbar, das heute der Fischzucht dient.

BILD: Denkmalpflege

Felsinschrift Simmentalstrasse Kanderdurchstich

Die Felsinschrift erinnert an den Kanderdurchstich und den Bau der „leichten Strasse“.  Dieser wurde 1822, erst 108 Jahre nach der Kanderumleitung, ausgeführt. Die leichte Strasse führt den  Gwattstutz hinauf und durch die neu entstandene Schlucht durch den Strättlighügel. Vor dem Durchstich mussten die Fuhrwerke mühsam den Strättlighügel, die Kanderquerung bei der alten Schlyfi und den Zwieselberg überwinden. Das war der „schwere“ Weg. Die Inschrift lautet: Im Jahre MDCCXII (sollte eigentlich 1714 heissen) wurde der Fluss durch den Hügel abgeleitet.Im Jahre MDCCCXXII unter Leitung und Beistand der Obrigkeit, durch die Stadt Thun, die Gemeinden des Oberamts Niedersimmenthal und Strättlingen dem Gewerb die leichte Strasse gebahnt.
Die Felsinschrift wurde 2015 vom Verein 300 Jahre Kanderdurchstich renoviert.

BILD: Guy Schneider

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Gedenkstein Samuel Bodmer

Der Gedenkstein für Samuel Bodmer wurde vom Ortsverein Einigen am 29. Mai 2014 eingeweiht. An Bodmer erinnert auch die Samuel-Bodmer-Strasse im Thuner Gewerbequartier Schoren. Da Bodmer nach der Ableitung der Kander in den Thunersee nicht mehr wohl gelitten war, verkaufte er das Schlossgut Amsoldingen und zog ins Lochbad bei Burgdorf.

Mit dem Gedenkstein wird der Visionär Bodmer geehrt. Bodmer erkannte, dass ein Fluss, der in einen See abgeleitet wird, damit so gezähmt wird, dass er im weiteren Lauf weniger Schaden anrichtet. Ihm standen allerdings noch nicht die Erkenntnisse und Mittel späterer Zeiten zur Verfügung. Die Ableitung der Linth in den Walensee hundert Jahre später und die Durchleitung der Aare durch den Bielersee (Juragewässer-Korrektion) vor hundert Jahren nahmen sich die schlussendlich erfolgreiche Ableitung der Kander in den Thunersee zum Vorbild.

ARTHUR MAIBACH. Ein Gedenkstein für Samuel Bodmer. In:
Jahresheft 2014 des Berner Heimatschutzes Region Thun Kandertal Simmental Saanen

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Gewerbekanal Selve

Wir stehen an der Sitzmauer, die 2013 errichtet wurde. Die Mauer verläuft ungefähr dem ehemaligen Gewerbekanal entlang. Wenn wir flussaufwärts blicken, erkennen wir entlang des rechten Aareufers das Schwäbisbad.  Der Name Schwäbis leitet sich von „schweben“ ab. Denn vor der Ableitung der Kander in den Thunersee stauten Kander und Zulg, die unterhalb des Lerchenfelds in die Aare flossen, bei Hochwasser die Aare, so dass das Wasser „schwebte“, dadurch der Thunersee bis ins Lerchenfeld reichte und die Stadt Thun unter Wasser setzte. 
Flussaufwärts beim Hochkamin der ehemaligen Selve ist der Einlauf zum 1 km langen, 6 m breiten und 3 m tiefen Gewerbekanal zu erkennen, der 1885 gegraben wurde, um die Turbinen der Selve und der Eidg. Betriebe anzutreiben. 1917 wurden die Turbinen an Generatoren angeschlossen und die mechanische Kraft wurde in elektrischen Storm umgewandelt.

Südlich schliesst die ehemalige Fabrikationshalle Scheibenstrasse 6 an, die 1917 nach Plänen von Alfred Lanzrein errichtet wurde. Auf der anderen Seite der Grünanlage liegt das Wohlfahrtshaus der Selve, ein hervorragender Bau von 1941, entworfen von Emmy und Peter Lanzrein.

LIT: JOHN PETER HALLER, ANITA EGLI (Hg.). Selve Thun, Erinnerungen eines Ehemaligen. Zytglogge Verlag, Oberhofen, 2013

GUNTRAM KNAUER. Wie der Kanderdurchstich die Entwicklung Thuns beeinflusste. In: Jahrbuch 2014 des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee

BILD: Karl Geiser

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Glütsch

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Wir stehen auf der Brücke über den Glütschbach. Der Glütschbach entspringt als Feusibach (auch Feissibach) auf ca. 1700 Metern ü.M. an der Nordflanke des Stockhorns. Unterhalb von Niederstocken nimmt er den Lubbach und kurz darauf den Wildbach aus dem Lindental auf und wird, nachdem er noch den Fluhbach aufgenommen hat, kurz vor Reutigen zum Glütschbach. Er bringt das ganze Jahr – auch bei Trockenheit – Wasser, das zum Teil vom weit entfernten Wildstrubel herkommt, wie die Quellen Weissenburg, Blattenheid und Baach (Oberstocken). Im Hani teilt ein Regulierungswehr den Glütschbach. Der eine Teil fliesst in die Kander, der andere durch das ehemalige Kanderbett durch das Glütschbachtälchen.

BILD: Staatsarchiv

Glütschbach-Regulierungswehr

Vor 300 Jahren floss der Glütschbach hier in die Kander und mit dieser durchs Glütschbachtälchen.
Im April 1714 floss das Kanderwasser mit grosser Geschwindigkeit durch den Strättlighügel in den 45 Meter tiefer liegenden Thunersee, was zur Folge hatte, dass sich das Flussbett innert kürzester Zeit so stark absenkte, dass von einem Tag auf den andern kein Wasser mehr durchs alte Kanderbett floss. In Thierachern, Allmendingen, Uetendorf und Uttigen standen die Mühlen still, ebenso die „Stampfine“, „Schlyfine“, „Saagine“und „Öline“. Die Bauern konnten ihr Vieh nicht mehr tränken und Felder vertrockneten. Aus diesem Grund leitete der Kanton noch im selben Jahr durch den Bau dieses Wehrs den Glütschbach ins alte Kanderbett, um die Anstössergemeinden wieder mit Wasser zu versorgen.

BILD: Stephan Kernen

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Gwattgraben / Gwattlischmoos

Wir sind am Gwattgraben, einer der vielen Gräben, die vom Allmendingenbach abzweigen, der wiederum vom Glütschbach gespiesen wird. Der grösste Teil des Gwattgrabens ist heute eingedolt. Im Unterlauf wurden in den letzten Jahren einzelne Abschnitte offen gelegt und renaturiert.
Das vor uns liegende Gwattlischenmoos ist ein Flachmoor von nationaler Bedeutung. Es ist die grösste zusammenhängende Schilf- und Riedfläche am Thunersee, Lebensraum für zahlreiche Pflanzen, Amphibien und Wasservögel.
Der Name Gwatt deutet auf eine Sumpflandschaft („Wat“) hin, wobei das G davor eine Mehrzahl bezeichnet. Gwatt war Gerichtsort der Herrschaft Strättligen. Im Gasthof Lamm tagte das Niedergericht und bis zur Eingemeindung 1920 der Gemeinderat von Strättligen.

BILD: Jan Ryser

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Hanisteg

Diese eindrückliche Stahlbrücke, im Volksmund „Bschüttistäg“ genannt, wurde anfangs Siebzigerjahre als Kanalisationsbrücke der ARA Thunersee gebaut, welche 1973 in Uetendorf in Betrieb genommen wurde. Ihr gehören heute 36 Gemeinden aus dem Einzugsgebiet der Kander, Simme, und Zulg und dem unteren Thunersee an.

Hier beträgt die Tiefenerosion der Kander bereits über 35 Meter. So, wie das Flussbett mit seinen Kiesbänken  und mäandrierenden Flussläufen heute erscheint, hat wohl das Glütschbachtälchen vor über 300 Jahren ausgesehen: eine Kiesöde mit wenig Vegetation. Flussabwärts erkennt man steilere und flachere Sandsteinsedimente, Ablagerungen von zwischeneiszeitlichen Urkandern, die in den letzten 500000 Jahren die Landschaft geformt haben.

BILD: Stephan Kernen

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Hochwasserentlastungsstollen

 

Die Plattform liegt über dem Auslauf des Hochwasserentlastungsstollens, der 2009 fertiggestellt wurde. Der Stollen hat einen Innendurchmesser von 5.40 m und ist 1'200 m lang. Der Einlauf liegt oberhalb der Innenstadt am Ende des Schifffahrtskanals.
Einige Meter flussaufwärts ist ein schräg zum Hang liegendes Gebäude mit Sichtbeton-Fassaden erkennbar, das die liegende Kaplanturbine umhüllt, die als Erweiterung des Flusskraftwerks Thun 1994 installiert wurde. Daneben sind die Strudel erkennbar, die die Fische anlocken, die Fischtreppe „hinaufzusteigen“ und so den Höhenunterschied von 6 ½ Metern zu überwinden.
Diese Gefällstufe entstand durch die Rückwärtserosion der Aare. 1859 wurde die Bahnlinie Bern – Thun eröffnet. Im Zusammenhang mit dem Bau der Bahn wurde die Aare kanalisiert, was zu einer Erosion der Flusssohle führte. Als die Erosion die Thuner Innenstadt bedrohte, wurde die Flusssohle mit Felsbrocken stabilisiert. So entstanden 1872 die Aarefälle, die mit dem Bau des Kraftwerks 1962 im Staubereich verschwanden.

Siehe dazu:
STEFAN SCHNEEBERGER. Kanderdurchstich – ein wasserbauliches Experiment Reutigen – Thun, Führer 6.3 in der Reihe Wege durch die Wasserwelt, Hydrologische Exkursionen in der Schweiz, Hydrologischer Atlas der Schweiz, Bern 2013

BARBARA WYSS-ISELI. Kraftwerk Thun, Neubau 1992 – 1994, Hsg. Stadt Thun, Juni 1995

 

 

Kanderdelta

Wir befinden uns in einer Aue und einem Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung. Das Delta ist ein Lebensraum von seltenen Arten wie Flussregenpfeifer (BILD), Flussuferläufer oder Gelbbauchunke.
Das Kanderdelta ist durch die abgeleitete Kander in den letzten 300 Jahren aufgeschüttet worden. Bereits 2 Jahre nach der Ableitung umfassten die Aufschüttungen eine Fläche von rund 220'000 m2. Seit 1909 liegt die oberflächliche Ausdehnung des Deltas konstant bei rund 850'000 m2. Das Ufer des Thunersees lag vor der Ableitung seeseitig an der heutigen Staatsstrasse. Seit 1913 wird im Kanderdelta mittels Schwimmbagger Kies gewonnen und mit Lastschiffen zur Umschlagstation transportiert. Die „Vigier Beton Berner Oberland“ baut jährlich rund 80'000 m3 ab, das sind rund 2 % des jährlichen Kiesbedarfs im Kanton Bern.

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Kanderschlucht - Strättligsteg

Auf den Strättligsteg gelangt man über den steilen Wanderweg in die Kanderschlucht hinunter. Er muss immer wieder gesperrt werden, weil Erdrutsche ihn verschütten. Jetzt sind wir mitten in der Schlucht und spüren die Kraft der reissenden Kander. In nur 300 Jahren hat sie sich durch den weichen Möräneschutt und die härteren Sand- und Kies-Sedimente urzeitlicher Kander gefressen.
Fünf Brücken überqueren heute die Kander zwischen dem Strättlighügel und dem Kanderdelta: Autobahnbrücke, Strättligsteg, Eisenbahnbrücke, Brücke der Staatsstrasse nach Spiez und die Brücke der Créa-Beton aufs Kanderdelta.

BILD: Jan Ryser

Lachen-Kanal

Auf dem Gebiet des Lachenkanals wurde früher Kies ausgebeutet, das die bei Hochwasser ausbrechende Kander via Schoren-Allmend Richtung See transportiert hatte. Nach der Ausbeutung der Grube wurde sie mit dem See verbunden und geflutet.

Nördlich des Lachenkanals betreibt die BLS eine Schiffswerft. Das Strandbad entstand 1952 auf dem Gelände der KABA, für die die ehemaligen „Eisweiher“ im Bereich des heutigen Trainingsplatzes des FC Dürrenast zugeschüttet worden waren.

Die Schoren-Allmend ging bei der Eingemeindung von Strättligen 1920 ins Eigentum der Stadt Thun über. Das Land wurde im 20. Jahrhundert parzelliert und bildet den Kern des Quartiers Dürrenast.

BILD: Stadtarchiv

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Linker Aaredamm

Vor dem Kanderdurchstich lagerten hier die zwei Flüsse Kander und Zulg vor allem bei Hochwasser viel Geschiebe in die Aare und stauten diese oft auf, so dass die Stadt Thun immer wieder von unten her überschwemmt wurdeErst 104 Jahre nach dem Kanderdurchstich (1818 bis 1821) begann man mit dem Bau des ersten  Aarekanals von Thun nach Uttigen, wie ihn schon Samuel Bodmer vor dem Durchstich verlangt hatte. Die Aare bekam dadurch mehr Fliessgeschwindigkeit und konnte so das Geschiebe der Zulg - die Kander gab es nicht mehr - weg transportieren. Nun gab es in Thun keine Überschwemmungen mehr von unten. In den 1870er Jahren wurde wegen der Eisenbahnlinie Uttigen - Thun der heutige Kanal gebaut. Nun floss die Aare mit noch grösserer Geschwindigkeit durch die Stadt Thun, was für diese verheerende Folgen hatte: Ufer wurden unterspült, Fassaden stürzten in den Fluss, Bücken wurden zerstört. Im Bereich des heutigen Flusskraftwerks Thun wurde schliesslich die Flusssohle befestigt, um weiteres Ungemach für die Stadt Thun zu verhindern.

BILD: Karl Geiser

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Marchstein Bodmerplan

1717 zeichnete Bodmer einen Plan, in dem er das alte Aarebett und die vorhandenen Marchsteine eintrug. Ziel war es, das Aarebett zu parzellieren und zu verkaufen. Einen dieser Marchsteine konnte Christoph Naegeli, Nachführungsgeometer von Thun, im Lerchenfeld lokalisieren.

Mühleplatz und innere Schleuse

Wir stehen auf der Abdeckung des Mühlekanals, dessen Wasser vom Mittelalter bis ins 20. Jh. die Mühlen antrieb. Das Gitter und die Plastik von Schang Hutter („Aufhalten in Berlinen“) auf der nördlichen Seite des Schachts, der bis zum Niveau des ehemaligen Mühlekanals hinunterreicht, wurde türkis gestrichen, um an die jahrhundertelange Nutzung der Wasserkraft zu erinnern.
Die Mühlegebäude wurden 1988 abgebrochen. Der neue Platz, entworfen von Ueli Schweizer und Walter Hunziker, Gewinner des Architekturwettbewerbs 1982, wurde 1995 eröffnet. Rasch siedelten sich mehrere „Gartenwirtschaften“ an, die in der warmen Jahreszeit den Platz füllen.
Durch das Mühlegässli, auch „Mühleloch“ genannt, erreicht man die Obere Hauptgasse mit ihren Hochtrottoirs, im Hochmittelalter Markt der Zähringerstadt Thun. Die gedeckte Mühleschleuse oder Innere Schleuse führt durch das Foyer des Kleintheaters Alte Oele ins Oelegässli auf der Aareinsel Bälliz.
Die Untere Schleuse wurde 1723 an Stelle des Mühledammes errichtet, 1788 umgebaut, und ist in dieser Form bis heute erhalten.

BILD: Christian Helmle

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Oelequartier

Wir stehen auf dem Aarequai, der im 19. Jh. im Zuge der Verschönerung der Stadt Thun für den aufkommenden Tourismus erstellt wurde. Vorher ging die Rückseite der Häuser an der Oberen Hauptgasse direkt auf die Aare, in die auch die Abtritte und Küchen ihre Abfälle entsorgten. Auf der anderen Seite der Inneren Aare liegt das ehemalige Oelequartier. Die Häuser wurden auf Pfählen errichtet, das Aarewasser trieb die zwischen den Häusern angeordneten niederschlächtigen Wasserräder an. Das Wasser mündete in den so genannten Flösserkanal, der unterhalb der Inneren Schleuse in die Aare floss.
Zum Gewerbe gehörten eine Hanfreibe, ein Knochenstampfe, eine Schleife und zwei Ölen.

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Östliches Zwieselberg

(Fahrnern 18)

 Bei diesem alten, frisch renovierten Haus wurde 1962 eine Szene des Filmes „Kohlhiesels Töchter“ mit Liselotte Pulver in der Doppelrolle der Zwillingsschwestern gedreht.
Von hier sehen wir auf die fruchtbare Reutiger Schwemmlandebene hinunter und zum Augand-Wald, in welchem sich die über 30 Meter tiefe Schlucht der Kander versteckt hält. Vor der Kanderumleitung war diese Ebene ständig versumpft, weshalb das alte Reutigen - wie auch die alten Dörfer Thierachern, 
Allmendingen, Uetendorf und Uttigen – überschwemmungssicher am Hang angesiedelt waren.

BILD: Staatsarchiv

Port Wimmis

Strassen
Der Eingang ins Simmental, Port genannt, ist sehr eng, so dass vor der Kanderumleitung wegen der Hochwasser hier keine Strasse möglich war. Die alte Simmentalstrasse führte deshalb am Schloss Wimmis vorbei und hinter der Burgfluh durch nach Oey. 

Brücken
Seit 1766, also 52 Jahre nach dem Kanderdurchstich, wurden in der Port Brücken gebaut. Die alte Korbbogen-Steinbrücke (siehe BILD) ist eine der ältesten im Oberland. 1939 kam die zweispurige Naturstein-Bogenbrücke und 2002 die Autobahn-Zubringer-Brücke aus Beton und Stahl.

Wehr Vor der Kanderkorrektion floss die Simme unterhalb des Wehrs auf gleicher Höhe weiter, auf der sie heute oberhalb des Wehrs fliesst. In nur 300 Jahren hat sie sich hier schon 15 Meter tief in den harten Kalkfels eingefressen.  Das Wehr stoppt die Rückwärts-Erosion, die vor dem Bau der Wehre Wimmis und Erlenbach bis fast nach Därstetten sichtbar war.

BILD: Markus Krebser 2004

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Rathaus Thun

Früher stand das Rathaus, dessen Anfänge auf die kyburgische Stadterweiterung um 1250 zurückgehen, direkt an der Aare. Das ursprünglich offene Erdgeschoss wurde 1685 zur Markthalle (Kaufhaus), die auf drei Seiten durch je zwei Portale betreten wurde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Aareufer verbaut und es entstand die heutige Uferpromenade an der Inneren Aare.

BILD: INTERNET. Seite Thun

Reutigen Chapf

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Von hier aus erblicken wir die steile Simmenfluh, die im trockenen Sommer 1911 am 20. August durch einen Blitzschlag in Brand geriet , der erst am 16. September durch  einsetzenden Dauerregen gelöscht wurde. Die Feuersbrunst färbte den rauchverhüllten Himmel „schaurig rot“, wie in der Chronik steht, und war vor allem des nachts bis nach Bern und Interlaken zu sehen (siehe BILD). Ein Abstecher ins alte Dorfzentrum von Reutigen mit seiner altehrwürdigen Kirche und dem geschützten Hausbestand lohnt sich alleweil.

BILD: Markus Krebser 2004

Schadau

Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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Schiessanlage Guntelsey

Bodmer rechnete in seinem Kostenvoranschlag (Bauarbeiten) mit dem Verkauf des Kandergrundes, was ihm aber nicht gelang. Das ehemalige Kanderbett wird vorwiegend militärisch genutzt (Lagerbauten, Schiesstand, Waffenplatz).
Heute ist das Glütschbachtal ein beliebtes Naherholungsgebiet. Es wird gerne benutzt von Reitern, OL-Läufern, Wanderern, Bikern, Pfadfindergruppen, Schulklassen, Familien und vor allem Schützen, die in der grossen regionalen Schiess-Anlage ihrem Hobby frönen. Die Schiessanlage Guntelsey ist die grösste ihrer Art in der Schweiz. Sie wurde 1968/69 nach einem Wettbewerbsentwurf des Berner Architekten Heinz Schenk erbaut und 1974 mit einem Küchenanbau ergänzt. Im selben Jahr fanden die Schiess-Weltmeisterschaften in Thun und Bern statt.

BILD: INTERNET Seite Stadt Thun

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Schlossmühle Amsoldingen

Im Jahre 1695 kaufte Samuel Bodmer, Müller, Bäcker und später Feldvermesser (Geometer ) in bernischen Staatsdiensten, das Schloss mit dem Schlossgut und der Schlossmühle der Familie von May ab. Hier wurde er mit den grossen Wasser-Nöten der Bauern aus Allmendingen, Dürrenast, Seefeld, Lerchenfeld, Thierachern, Uetendorf und  Uttigen konfrontiert. Die ständigen Überschwemmungen auf der Thuner Allmend bis zur Mündung der Kander in die Aare gegenüber der Zulgmündung brachten der Bevölkerung nebst aufwändiger Fronarbeit Missernten und Krankheiten. Samuel Bodmer kam zum Schluss, dass die Ableitung der Kander im Hani (Zwieselberg) durch den Strättlighügel in den Thunersee diese Nöten zum Verschwinden bringen würden. Vorher müsste aber in Thun der Ausfluss der Aare vergrössert, ein zweiter Aarelauf und ein Kanal bis nach Uttigen erstellt werden, um die Stadt Thun vor Überschwemmungen zu bewahren, würde sich doch mit der Kanderumleitung das Einzugsgebiet des Thunersees auf einen Schlag um mehr als die Hälfte vergrössern. Im Februar 1711 beschloss der Rat der 200 von Bern, vorerst einmal die Kander in den Thunersee abzuleiten und erst später, wenn überhaupt nötig, die flankierenden Massnahmen in Thun zu bauen. Er wählte Samuel Bodmer zum Generalaufseher und „Verleiter“ des Kanderwerks.

BILD: Markus Krebser 2004

Strandweg Hochwassermarke

Zur Erinnerung an die Hochwasser von 1999 und 2005 wurde am Strandweg ein Brunnen errichtet. Der Brunnenstock wurde mit einer Hochwassermarke versehen.

Zur Zeit des Kanderdurchstichs war dieser Uferabschnitt praktisch unbesiedelt. Nur entlang der Strasse, die von Thun über Scherzligen und Gwatt nach Spiez führte, befanden sich einzelne Höfe. Die Ebene zwischen Schoren, Gwatt und Scherzligen neigte aufgrund der hohen Grundwasserstände und periodischen Überschwemmungen durch die Kander zur Versumpfung. Viele Gebäude stehen in einem ehemaligen Moor.

Während der letzten zwei Jahrhunderte richteten die Überschwemmungen wenig Schaden an. Die Erinnerung an Hochwasser verblasste. In der Nähe zum See wurden immer mehr Bauten und Anlagen erstellt, die darauf nicht mehr Rücksicht nahmen. So beschädigte das Hochwasser, insbesondere das aufsteigende Grundwasser, 1999 und 2005 zahlreiche Bauten und Anlagen. Mit dem Hochwasserentlastungsstollen 2009 ist die Gefahr von Schäden nun weitgehend gebannt (Hochwasserschutz).

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Strättlighügel - eine Mittelmoräne

Auf dem Wanderweg durchquert man den Strättlighügel, eine Mittelmoräne, aufgeschüttet durch die   Aare- und Kandergletscher der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren. Der gut 250 Meter lange Weg durch den Hügel (siehe BILD) entspricht etwa der Strecke, die Bodmers Leute 1711 bis 1713 im Tagbau abgetragen und die Mineure von Samuel Jenner 1713 durchstochen haben. Beim Durchschreiten des Hügels erkennt man linkerhand das lockere, der Erosion stark ausgesetzte Moränematerial. Mit etwas Glück findet man ein Sück weissen Gasterngranit.
Nach der kurzen Wanderung durch die Moräne erblicken wir den Thunersee. Er liegt 45 Höhenmeter weiter unten. Nach dem Durchstich schoss die Kander mit grosser Wucht das starke Gefälle zum See hinunter und grub sich in kurzer Zeit 20 Meter tief in den Strättlighügel ein. Nach zwei Wochen stürzte das Tunnel-Gewölbe ein und riss mehrere Personen mit in die Tiefe, die an einem vom Thuner Schultheissen von Werdt einberufenen Augenschein teilgenommen hatten.

BILD: Historisches Museum Bern

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Tempel Allmendingen

In römischer Zeit, vom 1. Jh. vor Chr. bis zum 5. Jahrhundert nach Chr. , war Allmendingen das kultische Zentrum der Region, die sich damals "regio lindensis" nannte, was Gegend am See bedeutet. Dies geht aus einem Inschriftenstein hervor, der 1926 gefunden wurde. Damals befand sich dort ein gallo-römisches Heiligtum, acht von einer Mauer umgebene kleine Tempel, und daneben ein Wirtschaftsbezirk (Wikipedia).
Der Tempel stand an einer Furt über die Kander. Es war der letzte Flussübergang vor den Alpen. Die Reisenden, darunter die römischen Soldaten auf ihrem Weg über das Schnide-Joch ins Wallis, wollten mit ihren Opfergaben die Alpengötter gnädig stimmen.
Im Neubau der Zaugg Bau AG sind die Mauern eines alten römischen Sodbrunnens zu sehen. Sie kamen bei den Aushubarbeiten zum Vorschein und wurden zum Glück erhalten.

BILD: UTB

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Thierachern Mühle

Die „Alte Mühle“ wurde 1786 erbaut und 1987 renoviert. Es ist  ein grosser 2-geschossiger, seitlich vorkragender Fachwerkbau auf älterem Mühlesockel, der durch den Mühlekanal von der „Neuen Mühle“ getrennt wird.

Nach der Kanderkorrektion blieb die Mühle während eines Jahres unbenutzt, da kein Wasser mehr das Mühlerad antrieb. Der Grosse Rat von Bern beschloss am 30. Januar 1715, den Glütschbach im Hani in den alten Kanderlauf zu leiten und so den Mühlen, Sägen, Stampfen und Schleifen die entzogene Wasserkraft zurückzugeben. Die beiden Mühlen sowie das Stöckli werden heute als Wohnhäuser genutzt. In der „Mühlischüür“ hat sich die FEG Thierachern im Jahre 2010 ein neues Gemeindezentrum errichtet.  (Google: Mühle-Schüür Thierachern)

BILD: Stadtarchiv

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Thuner Allmend

Von hier aus überblicken wir den ehemaligen Kander-Schuttkegel, die heutigen Thieracherer-, Allmendinger- und Thunerallmenden. Nach dem Kanderdurchstich floss hier kein Wasser mehr durch; es gab auch keine Überschwemmungen mehr. Gut hundert Jahre später, 1818, beschloss die Tagsatzung (der Bund), die ganze Thuner Allmend der Burgergemeinde Thun abzukaufen und hier die erste Zentrale Militärschule einzurichten. Dank des Militärs ist dieses Gebiet mit einer einzigartigen Fauna und Flora in seiner natürlichen Art geblieben.
Die Grenze zwischen Thun und Thierachern verläuft mitten durch den Waffenplatz. Sie erinnert an die Mitte des ehemaligen Kanderlaufs.

BILD: Markus Krebser 2004

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Tropfsteinhöhlen

An dieser engen Stelle stiess die Kander fast rechtwinklig gegen den Amsoldinger Hang und unterspülte mit grosser Wucht die fluvialen Schichten voreiszeitlicher Flüsse; daraus entstanden die Tropfsteinhöhlen. Hier überquerte auch das Aquädukt des Glütschbachkanals das Kanderbett. Auf der Strättlighügel-Seite war die Suone geschützt vor Kanderüberschwemmungen. Bei den Tropfsteinhöhlen sind mehrere Grill-Stellen und Holzvorräte, die im Sommer zum Verweilen einladen.

BILD: Stephan Kernen

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Tunnel des alten Glütschbachkanals

Gegen Ende des 17. Jh. leitete man einen Teil des Glütschbaches -  er bringt das ganze Jahr hindurch regelmässig Wasser -  in eine parallel zur Kander verlaufende Suone durchs Tälchen und über ein Kanalnetz nach Schoren, Dürrenast, Seefeld, Thierachern, Uetendorf und Uttigen. Dazu wurden sogar im Glütschbachtälchen ein Aquädukt und ein kurzer Tunnel gebaut. Zur Zeit des Kanderdurchstichs war der Glütschbachkanal nicht mehr in Betrieb.
Hier musste die Glütschbachsuone vor der reissenden Kander geschützt werden, weshalb sie durch einen kurzen Tunnel durch den auslaufenden Strättlighügel geleitet wurde. Dieser künstliche Kanal versorgte alle Betriebe mit Wasser zur Energiegewinnung durch Wasserräder. Der Eingang des Tunnels ist leider eingestürzt. Der Ausgang ist aber noch vorhanden und kann auf eigenes Risiko begangen werden. Einige Meter unterhalb befindet sich ein Regulierungswehr, das den Glütschbach teilt. Gemäss Richterspruch von 1908 fliessen 7/8 des Wassers nach Thierachern, 1/8 nach Allmendingen.

BILD: Stephan Kernen

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Velobrücke Reutigen

Die 1989 erbaute Holzbrücke ist ein eindrückliches Zeugnis der modernen Zimmermannskunst und eines neuen Fachwerkbaus. Sie dient heute den Oberstufenschülern aus Reutigen, Zwieselberg, Nieder- und Oberstocken als Schulweg nach Wimmis. Hier hat sich die Simme in den letzten 300 Jahren mehr als 25 Meter tief eingefressen.
Schauen wir den Fluss aufwärts, sehen wir bei Niedrigwasser die Sohlen-Blockverbauung der renaturierten Simme und das Schloss Wimmis, Fluss abwärts den alten Weg zum Pulveristeg (abgerissene Stahlbrücke für Fussgänger), der den Arbeitern der ehemaligen Pulverfabrik Wimmis als Arbeitsweg diente.

BILD: Schneeberger

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Westliches Zwieselberg

(westlicher Dorfeingang, Abzweigung „Bühl“)

Von hier ergibt sich nordwärts ein erster Blick ins Glütschbachtälchen, auf den Strättlighügel und die Strättligburg, zerstört 1332, während Jahrhunderten von Bern als Pulverturm genutzt, heute öffentlich zugänglich. Weiter nördlich ist der markante Einschnitt der Kanderschlucht durch den Strättlighügel zu erkennen. Vor gut 300 Jahren floss die Kander durch dieses Tälchen, das damals ein Geröll und Kiesbett war. Heute ist es eine fruchtbare Ebene, und wo früher die Kander rauschte, hören wir heute das Rauschen der Autobahn.

BILD: Staatsarchiv

Zollhaus - ehemalige Kanderbrücke

Beim 1552 errichteten Zollhaus (heute ein Restaurant) erhob die Stadt Thun bis ins Jahr 1714 Brückenzoll. Die Kander floss hier vor dem Durchstich durch den Chandergrien-Wald und etwa 600 Meter weiter unten in die Aare. Ab 1870, das Land war jetzt trocken gelegt, begann die Überbauung mit Wohnhäusern und Anlagen des Bundes.

BILD: Staatsarchiv

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Zusammenfluss Simme Kander

Nur erreichbar auf Kiesweg zu Fuss oder per Velo

Hier sehen wir die renaturierte Simme, welche in die Kander mündet. Diese kommt eingeengt über Betonschwellen daher, derweil jene im breiten Flussbett mäandrieren kann.  Auch kommt eindrücklich die fortschreitende Seitwärts-Erosion zum Ausdruck; die Steilufer der Simme werden am Prallhang bei Hochwasser unterspült, was dann Rutsche zur Folge hat. Dabei verändert sich das Flussbett ständig.

Im Sommer, bei warmem Wetter, kommt die Kander grau daher, weil sie Gletschermilch bringt; die Simme aber ist hell und klar.

BILD: INTERNET, Kander 2050

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Meist wird der Name Schadau als Aue, in der Überschwemmungen Schaden anrichteten, gedeutet. Nahe dem Ausfluss der Aare aus dem Thunersee befand sich bis zum Abbruch 1848 ein Landsitz, der von einer wehrhaften Mauer umgeben war. 1837 kaufte der Bankier Abraham Denis Carl Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Landgut und liess die bestehenden Gebäude abbrechen Nur noch das sechseckige Türmchen direkt an der Aare zeugt vom früheren Schlösschen. Das neue „Schloss Schadau“ wurde 1852 fertiggestellt. Um 1900 gehörte den Rougemonts ein 40 000 m2 grosses Anwesen. 1908 nahm sich Alfred Denis de Rougemont das Leben. Er setzte seinen 4-jährigen Neffen Henri Alexander als Erben ein. Dessen Vater, Baron Swaine, liess das Anwesen 1917 zur Bezahlung seiner Spielschulden öffentlich versteigern. Ein regionales Baukonsortium erwarb das Anwesen, parzellierte es teilweise (Häuser an der Karl-Koch-Strasse) und verkaufte einen Teil des Landes (Schloss mit Park, Grundstück für Gymnasium und Schadausaal) später der Stadt Thun.

STADT THUN (Hg.). Schloss Schadau, Renovation 1954-1996, Oktober 1997 STADT THUN (Hg.). Kirche Scherzligen Thun, Restaurierung Kirche, Neubau Sakristei 2002-2003, Dezember 2006

BILD: Louis Hänni

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